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Wenn wir heute vom Bültener Osterfeuer sprechen, dann denken wir gleich an einen riesigen Berg Strauchwerk, der alljährlich am Ostersonnabend unter der Leitung der Freiwilligen Feuerwehr unseres Ortes auf einer kleinen Wiese der Forstinteressenschaft Bülten hinter der Bullenweide zusammengefahren wird und etwa 60-80 Treckeranhänger fällt. Das war nicht immer so.
Früher war es nur ein kleiner Haufen welcher nur ein paar Meter von der jetzigen Brandstelle entfernt auf der Wegkreuzung Bullenweidenweg-Künisweg-Petersmeiler abgebrannt wurde.

Eine 90jährige Bültenerin erinnert sich, dass etwa um 1920 kleine Mengen Busch -und Strauchwerk schon über den Dorfbewohnern-es gab ja nur das alte Dorf-mit dem Handwagen in die Teichstraße zu einem Sammelplatz in die Nähe des jetzigen Feuerhauses und des damaligen Dorfteiches gebracht wurden.
Erst einige Tage vor Ostern brachten die jungen Männer des Ortes das angesammelte Holz mit einem Pferdefuhrwerk zur Osterfeuerbrandstelle, wo dann die Dorfbewohner noch weiteres Holz abgeben konnten.

Grosse Mengen an Baumschnitt und Strauchwerk fielen damals nicht an.
Man brauchte die Gärten für den Anbau von Kartoffeln, Gemüse, Obst und anderes Futter für die Schweine und Ziegen.
Grosse Bäume, Ziergehölze, Tannen und Hecken hatten nur wenig Platz in den Gärten.
Im übrigen wurde das anfallende Holz fast bis zum kleinsten Zweig über den Hackeklotz geschoben und hiernach als Heizmaterial im Herd, Ofen oder unter dem Wasserkessel verbraucht.

Die jungen Männer Bültens waren es, die jedes Jahr wieder mit viel Spass, Eifer und in der Vorfreude auf die lodernden Flammen an diesem Brauch festhielten.
Schon Tage vor Ostern wurde das Brennmaterial rund um die Uhr bewacht, damit es nicht von den Jugendlichen der Nachbardörfer vorzeitig angezündet wurde.
Das wäre einer Katastrophe gleichgekommen.
Sogar Butzen wurden hin und wieder in Holzhaufen gebaut, um zeitweise darin auf Strohballen zu schlafen.

Abgebrannt wurde damals das eingesammelte und angefahrene Holz am 1. Osterfeiertag nach Einbruch der Dunkelheit.
Die Kinder nahmen von zu Hause Äpfel mit, die sie bei den lodernden Flammen des Osterfeuers assen.
Man sagte nämlich, dass man hierdurch die ganzen Jahre über gegen Zahnschmerzen gefeit sei.

In späteren Jahren wurde das Osterfeuer von der kleinen Wegkreuzung auf das Gelände hinter der Bullenweide auf das Gelände des alten Sportplatzes, der heutigen Abwasser-Pumpstation, und nach weiteren Jahren wieder in die Feldmark auf die Strasseneinmündung Kirchweg-Künisweg verlegt.
Hier übernahm dann die Freiwillige Feuerwehr die Regie bei dem Brauchtumsfeuer.
Als der Kirchweg als Verbindungsstrasse nach Solschen ausgebaut worden war, wurde ein neuer Platz für das Osterfeuer gesucht.
Nach monatelangen Bemühungen einigten sich Ortsbürgermeister Brüggeboes, Ortsbrandmeister Jürgen Reinsch und Heinz Wittenberg als Vertreter der örtlichen Landwirte und der Forstinteressenten darauf, diese Tradition auf dem jetzigen Brennplatz durchzuführen.

So hat das Osterfeuer auch die Zeit, als Naturschützer aus Gründen des Naturschutzes und der Luftreinhaltung versuchten, dieses Brauchtum abzuschaffen, erst einmal überstanden.
Seit einigen Jahren wird das Brennmaterial am Ostersonnabend von der Freiwilligen Feuerwehr und unter Mitwirkung einiger Landwirte, die Zugmaschienen und Anhänger zur Verfügung zu stellen, zum Brennplatz gefahren und am gleichen Tag bei Beginn der Dunkelheit unter der Aufsicht der Feuerwehr abgebrannt.

© Heimat- und Bergbauverein Klein Bülten von 1997 e.V.
(Text: aus » Bulthem Luttken Bulten Klein Bülten, Die Geschichte des Dorfes Bülten)

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