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Von Udo Bellon

Eierbacken vor der Jagdhütte

Eine über 100jährige Tradition ist das Eierbacken am Abend vor Himmelfahrt im Wald, aber nicht zu verwechseln mit dem Eierbacken, welches von Clubs, Vereinen, Bekannten oder sonstigen Freundeskreisen am Abend vor Pfingsten in den Wäldern in Bülten stattfindet.
Wann diese Zusammenkunft aus Jägern, Forstinteressenten, Landwirten und Gästen aus Groß und Klein Bülten begonnen hat, ist heute nicht mehr festzustellen.
Aber erscheint es wohl weit über 100 Jahre zu sein, dass sich dieser Männerclub ohne grosse Absprache jedes Jahr im Wald in gemütlicher Runde trifft.

Meine Schwiegermutter, Alma Klages, geb. 1910, weiss noch zu berichten, dass ihr Vater, der Hausschlachter Carl Behre, jedes Jahr an diesem Abend mit Eiern, Speck und Zwiebeln in den Wald zog, und in feuchtfröhlicher Runde mit Gleichgesonnenen am Lagerfeuer vor der alten Jagdhütte zu fachsimpeln und Eier zu backen.
Zu dieser Zeit war das noch eine alte Blechhütte in der Groß Bültener Forst, die aber längst durch einen massiven Bau mit Tischen, Bänken, Gas-und Kerzenbeleuchtung sowie einem Ofen für kalte Abende ersetzt worden ist.
In den fünfziger Jahren wurde sogar ein Brunnen gebohrt, welcher aber mittlerweile wieder unbrauchbar ist.
Ich selbst habe mir in fast 40 Jahren dieses gesellige Beisammensein nur einmal entgehen lassen.

Ob die Sonne an diesen Abenden lange ihre strahlende Wärme durch die Blätter der Bäume schickte und die Pflanzen des Waldes mit ihrem einzigartigen Duft eine wunderbare Stimmung aufkommen liessen-und das hat es auch des öfteren gegeben-Regen von den Bäumen tropfte.
Eier wurden immer gebacken, auch wenn schon mal eine Plane über die Feuerstelle gespannt werden musste.
Nie war auch nur eine Hausfrau dabei, die mit ihren negativen Einwänden, wie z. B. "Oh, da ist zuviel Speck darin" oder "Zuviel Zwiebeln, und die werden zu dunkel" oder "Die Eier werden doch viel zu fest", uns hätte den Appetit verderben können.
Geschmeckt haben die Eier immer.
Dieser Männerclub kann nun mal Eier backen a la Wald.

Wenn das Feuer unter dem Dreibock lodert wird der Startschuss für die Vorbereitung der ersten Pfanne gegeben.
Dann müssen Speck und Zwiebeln geschnitten und 90 Eier in Schüsseln geschlagen werden; denn diese Grössenordnung nimmt die riesige Pfanne auch auf.
Nicht zu vergessen sind einige Pfunde Mett, eine alljährliche Spende unseres Schlachters Albert Krüger, das mit verarbeitet wird.

Nachdem Speck und Zwiebeln unter ständigen Rühren iin der Pfanne erst einmal vor sich hin brutzeln, muss der Dreibock noch einmal ausgerichtet werden.
Dieser muss nämlich richtig waagerecht stehen, denn sonst kann-das ist uns aus Erfahrung bekannt-beim Überlumpern das Feuer in die Pfanne springen.
Das wäre ein grosses Malheur!
So, nun ist es soweit.
Drei Schalen mit je 30 Eiern und die vorbereiteten Mettröllchen kommen in die Pfanne zu dem Speck und den Zwiebeln und müssen unter ständigem Rühren langsam stocken.
Alle Augen sind auf das Gelingen der Eierpfanne gerichtet, und Worte, wie etwa "Die werden ja gut" oder "Mann, das sieht ja gut aus" kommen aus der Runde.
Auch der Ausdruck "Spitze" ist des öfteren zu hören.
Hier trifft das Sprichwort: "Viele Köche verderben den Brei, also nicht zu!

Aber halt, halt!
Beinahe wäre etwas vergessen worden-Die Schnapsflasche her und einen richtigen Schuss-noch-auf die Eier, das gibt erst die richtige Würze.
So, und nun müssen die Eier und Mettröllchen aus der Pfanne in Schüsseln abgefüllt werden.

Hierbei halten zwei Leute das schwere heisse Gerät, ein Mann hält eine Schale an den Rand der Pfanne und ein weiterer füllt vorsichtig das herzhafte Bratgut ab, damit hiervon nichts danebenfällt.

Und dann geht es ab an den langen Tisch in der Hütte, wo sich 4-5 Teilnehmer mit Löffeln aus einer Schale bedienen und dazu Brrot essen.
Hierbei dürfen natürlich Bier und Schnaps nicht fehlen und je nachdem, wie der Appetit und die Meinung sind, wird dann oftt noch ene zweite Pfanne mit Eiern zubereitet.

Bei Schluck und Bier, wenn dann die Zungen etwas lockerer geworden sind, wird manche lustige Begebenheit erzählt, oft sogar bis zum Morgen.

Das "Eierbacken" am Pfingstsonnabend

Das "Eierbacken" am Pfingstsonnabend hat in unserem Heimatort Klein Bülten (jetzt Bülten) und anderen Ortschaften des Kreises, hauptsächlich im Südkreis, schon eine lange Tradition.
Ältere Einwohner von Bülten geben an, dass zumindest schon ihre Väter am Pfingstsonnabend in den Wald zogen, um dort Eier zu backen.
Daher dürfte dieser Brauch mindestens bis ins Jahre 1900 zurückreichen.

Diese Tradition wird nunmehr sowohl von einer Vielzahl verheirateter Männer jeden Alters wie ach von den Junggesellen gepflegt.
Zum Eierbacken helfen sich die Mitglieder von Clubs, Vereinen oder anderen Freundeskreisen in Gruppen von zumeist 6 bis 10 Personen, gegen 19:O0 Uhr bis 19:30 Uhr mit eigenbereiften oder modernen gummibereiften Handwagen, Schiebekarren, Körben oder grossen Taschen um in die umliegenden Wälder, in die dahinterliegende Sandgrube (jetzt Angelteich), zur Bullenweide oder in den Wiesen an der Beeke zu wandern.

Mit den bezeichneten Fahrzeugen bzw. Behältnissen werden reichlich Bier, Schnaps, Wein, manchmal auch Punsch oder alkoholfreie Getränke, Holz, Eisengestelle, grosse Pfannen, Schinkenspeck, Zwiebeln, Salz, andere Gewürze und natürlich Eier in grossen Mengen zum alten Stammplatz oder einen vorher ausgesuchten Platz transportiert.

Seit etwa 1975 werden auch Grillgeräte, Holzkohle, Steaks und Bratwürste mitgenommen.
Ausserdem befinden sich häufig Strohballen, Strohsäcke, Klappstühle, Schlafsäcke.
Decken und grosse Plastikfolien in den Wagen, um die Lagerstätte bequem und für den Notfall auch wetterfest herrichten zu können.
Zum Teil werden regelrechte "Komforthütten" für diese eine Nacht gebaut.

Da die Junggesellen oftmals nach durchfeierter Nacht "ihren Freundinnen" noch einen Pfingstbaum bringen, werden dafür nur noch eigene Birkenäste abgeschnitten und auf die Wagen gelegt, um hiermit in Richtung Ort zu fahren.
Bei den Damen ist die Freude gross, wenn Sie am Morgen mehrere grüne Zweige an ihrer Haustür vorfinden.

Ausserdem ist zu berichten, dass bis etwa 1970 über viele Jahre hinaus jeweils in der Pfingstnacht ein guter Kletterer auf das Dach der Schule gestiegen ist, um dort eine kleine Birke in den Schornstein zu stellen.
Erst bei intensiven Nachforschungen konnte in Erfahrung gebracht werden, dass es in mehreren Vereinen und Clubs solche tollkühnen Männer gab und diese im jährlichen Wechsel dieser "Heldentat" für die in der Schule wohnenden Junglehrerinnen vollbrachten.

Am Pfingstsonntag des Jahres 1981 konnten alle Bültener Einwohner einen ca. acht Meter hohen Pfingstbaum, eine Birke, auf dem Schützenplatz bestaunen.
Diesen Baum hatten die "aktiven Junggesellen" nachts dort "für alle Frauen des Dorfes" aufgestellt.

Das traditionelle "Eierbacken" im Wald war früher den Männern vorbehalten.
Heute trifft man hier und da aber schon gemischte Gruppen oder nur Frauen an.

Abschliessend bleibt nur zu wünschen, dass auch künftig beim "Eierbacken" der Wald vor allem sauber gehalten und der Baumfrevel nicht zu gross wird, damit die Forstinteressenten diese Tradition weiter dulden.

© Heimat- und Bergbauverein Klein Bülten von 1997 e.V.
(Text: aus » Bulthem Luttken Bulten Klein Bülten, Die Geschichte des Dorfes Bülten)

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