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von Günther Berkmann/ Kurt Schridde

Eine "Polizei"-Ordnung vor 400 Jahren

Die Polizei-Odnung vom 2. September 1617 ist die älteste, die in Peine erhalten ist.
Sie enthält Bestimmungen über Beichtpflicht, Kirchenbesuch, Verlobungen und Hochzeitsfeiern; sie ordnete das Leben und Zechen in den Dorfkrügen.

Vor 400 Jahren hatte das Wort Polizei einen anderen Sinn; es bedeutete soviel wie "Staatsverwaltung",den ganzen Staat, oder in unserem Falle ein ganzes Amt zu verwalten, was auch der Sinn des griechischen Ursprungswortes politeia zum Ausdruck bringt.
Damals dachte man bei dem Wort Polizei nicht an Polizisten, sondern an die amtliche Verwaltung.

So wurden laute Hochzeitsfeste verboten.
Es durfte nur geziemend nach Rang und Reiherecht gefeiert weden.-"Es soll auf den Hochzeiten kein Nachtbier, Freibier geschenkt werden; dabei sich Junggesellen und andere leichtfertige Personen einfinden und öffentlich Unzucht, Schlägerei und andere Laster treiben."

In dem Dorf waren die Schafmeister, die Müller und die Krüger die Geldgeber, die Bankiers.
Mancher Vorling ist im Dorfkrug versetzt und verzecht worden.
Das wurde verboten, und zwar wieder nach Rang und Reihe.
Es hiess in § 9: "Der Krüger soll einen Ackermann nicht mehr als 2 1/2 Rthlr., einem Kothsassen aber nicht mehr als 1 1/2 Rthlr. zu borgen und anzuschreiben schuldig sein."


Eine Polizeiakte von 1844

Klein Bültener Gastwirt beherbergt Fremden ohne Nachtschein.
Die Polizei schreitet ein.


Die Landgendarmen Müller und Niehus der Landgendarmerie Hoheneggelsen schrieben am 15. Februar ins Protokoll:
Heute Morgen in der Frühe auf Patrouille in Klein Bülten anwesend fanden wir bei dem Krugwirth Backhaus, dass derselbe den ange. (lichen) Musikanten Conrad Klare aus Dinglar in seinem Hause logierte, ohne das der dazu erforderliche Nachtschein vom Orstbauermeister eingeholt, noch viel weniger die Anzeige gemacht worden.
Dieses gesetzwidrige Verfahren verfehlen wir nicht dem König, Amte gehorsamst anzuzeigen.

Der Krüger Backhaus, Klein Bülten Nr. 6, musste sich deswegen am 24. Februar vor dem Königlichen Amt verantworten.
Seine Entschuldigung, dass der Musikant ein gutmütiger und ungefährlicher Mensch sei und bekannte Personen nie einen Nachtzettel nötig gehabt hätten, wurde nicht angenommen.
Zwar kam Backhaus ohne Strafe davon, er bekam aber nachdrücklich die Ermahnung mit auf den Weg, dass er ausnahmslos von allen Nachtgästen den Nachtzettel zu fordern hätte.


Polizei im Ort

Zur Gendarmerie des Kreises Peine gehörten früher nur 10 Beamte, Gendarmen genannt.
Je unruhiger die Zeit wurde und je mehr Personen im Kreis wohnten, desto mehr Polizeibeamte mussten zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung eingesetzt werden.
Als Klein Bülten noch ein kleiner Ort war, wurde er vom Polizeiposten Groß Ilsede betreut.
Einige Namen der früher amtierenden Gendarmen seien noch genannt: Liedemann, Cawici, Löke, Förster, Pinkepanke, Hapke, Schrader und Wittel.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Betreuung von Groß Solschen aus, weil sich dort ein kreiseigenes Gebäude befand.
Ab 1945 wurden die damaligen Groß Bültener Beamten Neugebauer, Seelbinder, Schiefelbein und Patschul wieder für Klein Bülten zuständig.

Die Baracken östlich des Dorfes (heute Ostring) waren nach dem Krieg noch mit Ausländern belegt.
Von hier, aber nicht nur von hier, wurden Überfälle, Diebstähle und Plünderungen organisiert; das Dienstzimmer befand sich in der Siedlung über dem Gemeindebüro (1. Eingang des "D-Zuges" Glückaufstrasse 198), Postenführer war in den ersten Jahren Polizeimeister Schötteldreier, seine Mitarbeiter Hauptwachmeister Eschemann, Wyschkony und Zimmermann.

Am 15. Januar 1951 wurde Hauptwachmeister Eschemann von Polizeimeister Kiene abgelöst.
Ausserdem kam am 1. November 1951 als neuer Postenführer Polizeimeister Erich Krafft nach Klein Bülten; seine Mitarbeiter waren nun die Polizeimeister Kiene, Rauls, Cramm und Polizeihauptwachmeister Zimmermann.
Am 1. September 1952 kam zur Verstärkung noch der Polizeioberwachtmeister Werner Krafft.

Im Oktober 1952 wurde das neue Rathaus, Maschtor 32 verlegt, wo sich nun auch die Wohnung des Polizeipostenführers befand.

Polizeimeister Cramm wurde am 1. Juni 1953 nach Klein Solschen versetzt.
Im Jahre 1954 wechselte Polizeimeister Kiene nach Groß Ilsede.

Am 1. Februar 1958 verliess Werner Krafft unseren Ort, um nunmehr beim Polizeirevier Peine Dienst zu versehen.

Als am 1. April 1958 Polizeihauptwachmeister Zimmermann in den Ruhestand trat, wurde Polizeihauptwachmeister Wyschkony vom Polizeirevier Peine wieder für einige Jahre hierher versetzt.
Anschliessend war Wyschkony bis zu seiner Pensionierung in Groß Ilsede stationiert.

Nachdem Polizeimeister Rauls verabschiedet worden war, versah nur noch Polizeiobermeister Erich Krafft in unserm Ort seinen Dienst.
Nach 40jähriger Tätigkeit trat auch dieser am 1. April 1963 in den wohlverdienten Ruhestand.
Mit ihm ging auch sein vierbeiniger Freund "Carlo" in Pension, der ihn seit 13 Jahren stets und ständig begleitet hatte.

Nachfolger von Polizeiobermeister Erich Krafft wurde sein Sohn, der Polizeihauptwachmeister Werner Krafft.
Nachdem seine Eltern nach Berlin übergesiedelt waren, übernahm er auch zum 1. Juni 1964 die Dienstwohnung im Klein Bültener Rathaus.

Am 1. Juni 1969 wurde im Zuge einer Neuorganisation der Niedersächsischen Polizei die Polizeidienststelle in unserem Ort aufgelöst.
Werner Krafft wurde zur Polizeistation Groß Ilsede versetzt.
Von hier aus betreute er, zuletzt als Polizeihauptmeister, unseren Ort bis zu seiner Pensionierung am 31. Januar 1988.
Die Dienstwohnung war von dem Beamten zum 30. September 1973 geräumt worden.

Mit der Pensionierung von Werner Krafft wurden für die Anliegen und für die Sicherheit der Bültener Einwohner die Beamten der seinerzeit personell verstärkten Polizeidienststelle in Ilsede-Groß Ilsede (Polizeirevier Ilsede bzw. ab 1. Oktober 1994 Polizeikommissariat Ilsede) zuständig.
Das Polizeikommissariat Ilsede zog am 1. Oktober 2000 von der Heinrichstrasse zur "Ilseder Hütte 4" auf das ehemalige Hüttengelände um.

Quellen: Chronik Richard Schulz/ "Quellen zur bäuerlichen Hof-und Sippenforschung 1938"/ Archiv LK Peine

© Heimat- und Bergbauverein Klein Bülten von 1997 e.V.
(Text: aus » Bulthem Luttken Bulten Klein Bülten, Die Geschichte des Dorfes Bülten)

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